Gisela Zimmermann – eine Künstlerin im Zeichen der Abstraktion

Die Künstlerin Gisela Zimmermann, geboren in Augsburg, lebt und arbeitet sei vielen Jahren vor allem als Malerin in der Schweiz. Die Inspirationen für ihre Arbeiten holt sie sich aus der Natur. Landschaften und fremde Länder und Kulturen interessieren die Künstlerin. Sie experimentiert immer wieder gerne mit Formen und Farben – insbesondere stark leuchtenden Farben. Gisela Zimmermann ist zuallererst eine spontane Künstlerin, die gewissermaßen aus dem Bauch heraus malt und somit ihre Autonomie als kreativ Tätige unterstreicht. Ihr Werk ist eindeutig der abstrakten Kunst – teilweise mehr und mehr dem Informell – zuzuordnen.

Der Begriff „abstrakt“ bezeichnet die von der gegenständlichen Darstellung losgelöste Malerei, die sich etwa 1910 in unterschiedlichen Stilvarianten in der Kunst niederschlug. Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer formulierte einmal, dass „alle Künste die Bedingungen der Musik anstreben“, Musik – eine nicht-gegenständliche Kunstform – berührt den Betrachter emotional und intellektuell gleichermaßen. Die Künstler der Abstraktion vertreten die Ansicht, dass sich dieses Prinzip auch auf die übrigen Kunstgattungen übertragen lässt. Auch Gisela Zimmermann geht davon aus, dass das, was den Betrachter tatsächlich anspricht, nicht die Wiedergabe eines erkennbaren Gegenstandes auf der Leinwand ist, sondern die Form und Farbgebung, die Texturen und Linienführung an sich. Formen und Farben, Oberflächentexturen und dynamische Rhythmen werden als zentrale eigenständige Ausdruckswerte begriffen, die es stringent durchzukomponieren und zu gestalten gilt. Man denke da an die Reihe kleinerer Arbeiten der Künstlerin, die in experimenteller Manier sehr pastose Oberflächenstrukturen aufweisen oder aber auch an die großformatigen Leinwände, wo diese Texturen gänzlich fehlen und allein durch Farbigkeit und einen harmonischen Bildaufbau überzeugen. Dieser konsequent durchgehaltenen Stringenz in großen und kleineren Formaten in Öl, Acryl oder auch Mischtechnik ist es zu verdanken, dass der tiefe malerische Ausdruck im Werk der Malerin Gisela Zimmermann fließt und eine Atmosphäre ausströmt, die den Betrachter für sich einnimmt und immer wieder aufs Neue zur Reflexion herausfordert. Dieser Anstoß zur Selbstvergewisserung des Betrachters gelingt der Malerin auch dadurch, dass sie ihren abstrakten Kompositionen handfeste, unzweideutige Titel gibt wie zum Beispiel „Olivenbaum“, „Auf dem Mars“ oder auch schlicht „Aufgehende Sonne“: dieser Antagonismus von aufgelöster Form und konkretem Titel bewirkt den besonderen Dialog von Kunstwerk und Betrachter oder anders formuliert: das Hinübertreten der Emotionen der Künstlerin als Produzentin beim Erarbeiten ihrer Arbeiten auf die Gedanken- und Gefühlssphäre des Betrachters als Rezipienten: das Kunstwerk gewissermaßen als Bindeglied und Mittler zwischen den Welten. Wenn man sich die Anfänge der künstlerischen Produktion der Gisela Zimmermann vor Augen führt und mit ihrem aktuellen vergleicht, dann fällt auf, dass sich die Künstlerin sowohl durch kontinuierliches Experimentieren mit der Materie sehr gut weiterentwickelt hat, aber nicht das Ausprobieren und Suchen nach immer wieder neuen Wegen und Möglichkeiten hat dazu beigetragen, sondern zugleich auch ihre enormen Ausstellungserfahrungen im nationalen und internationalen Rahmen: Ausstellungen, Ausstellungsbeteiligungen und Messeteilnahmen sind ganz entscheidend für die Entwicklung eines Künstlers, der Dialog zwischen Künstler und Publikum aber auch das Zwiegespräch und der Austausch der Künstler untereinander tragen ein übriges dazu bei. Das sieht auch Gisela Zimmermann so. Durch diese Erfahrungen registriert sie für sich auch, wo sie momentan in ihrem künstlerischen Entwicklungsprozess steht und wohin die Reise im wahrsten Sinne des Wortes hingehen kann. Kunst wird hier richtigerweise als Prozess und Weiterentwicklung begriffen; Stillstand wäre ja auch unproduktiv und wenig zielführend. Aber darum brauchen wir uns bei Gisela Zimmermann keine Sorgen zu machen; sie schreitet konsequent fort, spielt weiter mit Formen und Farben, nimmt uns mit auf ihre große Reise durch die Welt der Emotionen, die im Grunde genommen niemals ihr Ende finden kann, und weckt in uns Betrachter immer wieder die Lust daran teilnehmen zu dürfen. Ganz im Sinne ihres Mottos: „Mich selbst habe ich gefunden. Nun geht die Suche in der Malerei weiter. Mal schauen, wohin der Weg führt.“

Dr.Claus-Peter Böhner-Fery, M.A.